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One Game. One World.: Vom Projekt "ZuG" zum Flüchtlingsprojekt

Kategorie(n): Allgemein

Wir haben es geschafft. Viel Kraft und Zeit hat das Projekt „ZuG“ gekostet, das jetzt mit der Ehrung durch den DOSB zu einem Abschluss kam. Die Erfahrungen und Eindrücke aus „ZuG“ fließen nun nahtlos in unser neu gestartetes Flüchtlingsprojekt ein.

Wie in vielen anderen Bereichen ist auch im Projekt ZuG das Koordinationstraining wesentlicher Bestandteil des Trainings.

„ZuG“ steht für „Zugewandert und Geblieben“. Wer durch die Tischtennis- oder allgemeiner die Sport-Landschaft schaut, der wird feststellen: Unter den jüngeren Spielern sind zwar einige Menschen mit Migrationshintergrund, doch schon bei den Senioren 40+ wird das Eis dünner. ZuG ging noch einen Schritt weiter: Senioren 60+, die einen Migrationshintergrund haben, sollten an den Sport herangeführt und im besten Fall an ihn gebunden werden. Wie kann man sie also dafür begeistern? Wir sollten neue Wege finden. Zusätzlich gab es - nur für die Tischtennis-Vereine - eine zusätzliche Auflage: Wir sollten unser Angebot als mit „Sport pro Gesundheit“ zertifizierten Kurs durchführen.

Beschränkt auf Tischtennis war ZuG nämlich nicht. Das Projekt wurde auf Beschluss des Deutschen Bundestages vom DOSB mit einigen regionalen Sportorganisationen und einem Fachverband, dem DTTB, durchgeführt. Jeder Verband führte das Projekt mit drei Vereinen durch – einer der bundesweit drei Tischtennis-Vereine waren wir, der Steglitzer Tischtennis Klub Berlin.

Das Projekt begann gleichzeitig mit der ersten Saison unseres Vereins. Der erste öffentliche Auftritt des STTK Ende Juni 2014 diente in erster Linie der Werbung für ZuG. Wir haben von Juli 2014 bis Dezember 2015 viel zu tun gehabt, um entsprechende Teilnehmer zu finden, sie zur Teilnahme zu bewegen und das anspruchsvolle Kursprogramm durchzuführen – echte Pionierarbeit. Im Vorgriff, aber schon ganz im Sinne der neuen DTTB-Initiative "One Game. One World." (PDF, tischtennis.de) entstand langsam tatsächlich eine multinationale Gruppe 60+, gemischt mit Deutschen und mit jüngeren Teilnehmern, die viel Spaß hatten und auch über das Projektende hinaus an unseren Freizeit- und Gesundheitssport-Angeboten teilnehmen.

Bei den vielfältigen Bemühungen, an die Zielgruppe heranzukommen, haben wir viel über die Gründe gelernt, die diese Bevölkerungsgruppe vom Sportbetrieb abhält, und was man tun kann, damit sie doch in die Halle kommen. Die drei Tischtennis-Vereine verfassten mit dem DTTB eine fast 50-seitige Broschüre als Projektdokumentation.

Aber bitte mit Sahne: Auf einen Kaffee mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Carola Reimann (Foto: Deutscher Bundestag)
Aber bitte mit Sahne: Auf einen Kaffee mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Carola Reimann (Foto: Deutscher Bundestag)

Ehrung durch Bundes­­­­regierung und DOSB

Am 17. Februar 2016 fand in Berlin der offizielle Abschluss des ZuG-Projekts statt. Dass dem Projekt einige Bedeutung beigemessen wird, konnte man an prominenten Teilnehmern erkennen: Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Walter Schneeloch, Vizepräsident des DOSB, Arne Klindt, Vizepräsident des DTTB.

Im Anschluss an die offizielle Veranstaltung waren die Vertreter der drei Tischtennis-Vereine noch von der stellvertretenden Vorsitzenden  der SPD-Fraktion im Bundestag Carola Reimann in das sehr vornehme Gebäude der Parlamentarischen Gesellschaft eingeladen. Es kam zu einem offensichtlich nicht nur für uns interessanten Gespräch mit ihr. Frau Reimann besitzt selbst eine Übungsleiter-Lizenz.

Die offizielle Anerkennung und Ehrung richtete sich wie üblich nur an die Ansprechpartner, also an eine Person pro Verein. An dieser Stelle danke ich allen, die bei diesem Projekt mitgeholfen haben. Ich danke vor allem Margrit, die unendlich viel Zeit, Kraft und Ausdauer bei der Suche nach Teilnehmern und bei der Durchführung der Trainingseinheiten aufwandte. Unter anderem musste jede einzelne Einheit dokumentiert werden. Weiterhin danke ich Ramon als festen Trainer über die gesamte Projektdauer sowie den anderen Trainern und Trainerhelfern und auch denjenigen, die „nur“ vertretungsweise einsprangen, Flyer entwarfen und druckten oder bei einem Interview für die Tonaufnahme sorgten. Jeweils mehrere Vereinsmitglieder nahmen an der Messe "Sport & Gesundheit" und an der Landesgesundheitskonferenz teil.

Zusätzlich sorgte ZuG auch für die eine oder andere Reise quer durch Deutschland. So nahmen beispielsweise Margrit und Ramon bei der Pflichtfortbildung "Sport interkulturell" in Hannover teil. Arbeiten, die in anderen an ZuG beteiligten Vereinen und Verbänden von Hauptamtlichen erledigt wurden, beschäftigten uns Ehrenamtliche zusätzlich.

Ehrung für die Vertreter der an ZuG mitwirkenden Vereine durch Walter Schneeloch, Vizepräsident des DOSB (links). (Foto: DOSB/Camera4)
Ehrung für die Vertreter der an ZuG mitwirkenden Vereine durch Walter Schneeloch, Vizepräsident des DOSB (links). (Foto: DOSB/Camera4)
ZuG war ein von der Bundesregierung (im Bild: Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit) und vom DOSB (Rechts im Bild: Vizepräsident Walter Schneeloch) gefördertes Projekt. (Foto: Hans-Jürgen Wille)
ZuG war ein von der Bundesregierung (hier vertreten durch Ingrid Fischbach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit) und vom Deutschen Olympischen Sportbund (Vizepräsident Walter Schneeloch, rechts im Bild) gefördertes Projekt. (Foto: Hans-Jürgen Wille)

Ein neues Projekt - mit Flüchtlingen

Mit ZuG haben wir nun ein sehr aufwändiges Projekt zu Ende gebracht. Was bleibt? ZuG hat nicht nur den Teilnehmern Wege in die Sporthalle geebnet und sie den Schläger in die Hand nehmen lassen. Auch die Trainer und der Verein erhielten durch das Projekt Einblick in eine andere Welt. Für das neue, vom Landessportbund Berlin geförderte Projekt mit Flüchtlingen können wir aus positiven wie negativen Erfahrungen aus ZuG  profitieren. Auch auf Bundesebene war ZuG ein "wichtiger Vorläufer der Kampagne One Game. One World," wie der DTTB berichtete. Unser Flüchtlingsprojekt ist jetzt eines der vielen unter dieser DTTB-Kampagne gestarteten Projekte.

Schon in den letzten Wochen des ZuG-Projekts brachte Mohamed, ein Teilnehmer aus Ägypten, eine Gruppe syrischer Flüchtlinge aus dem Stadtteilzentrum Schöneberg mit. Dort scheint sich das Angebot schnell herumgesprochen zu haben, denn jedes Wochenende kamen neue Flüchtlinge und so konnte ZuG fließend übergehen in eine Trainingsgruppe, in der Flüchtlinge mit Einheimischen zusammen Tischtennis spielen. Durch die angepassten Elemente aus dem Gesundheitssport haben von Kindern im Grundschulalter bis zu den ZuG-Senioren alle viel Spaß am Spiel mit dem kleinen weißen Ball.

Im Projekt ZuG wie im Flüchtlingsprojekt leitet Margrit zusammen mit Ramon (nicht im Bild) das Training in der Halle.
Im Projekt ZuG wie im Flüchtlingsprojekt leitet Margrit zusammen mit Ramon (nicht im Bild) das Training in der Halle.

Unser Ziel ist dabei nicht, eine vom übrigen Sportbetrieb getrennte Gruppe von Flüchtlingen zu etablieren, denn es soll doch in erster Linie um Integration gehen. Deshalb fördern wir wie beim ZuG-Projekt die Vermischung der Neuen mit den vorhandenen Spielern: Neue Flüchtlinge jeden Alters und alte Migranten aus dem ZuG-Projekt, darunter damalige Flüchtlinge, mischen sich mit deutschen Freizeitspielern der parallel stattfindenden „normalen“ Erwachsenen-Freizeit.

Große Hilfe bekommen wir aus allen Bereichen des Vereins und auch von außerhalb. So würde das Projekt nicht ohne den Diplom-Sportlehrer Mohamed stattfinden, der die Flüchtlinge aus dem Schöneberger Stadtteilverein abholt, dolmetscht und selbst als Trainer mitmacht. Häufig stellt sich auch unser Vereinsmitglied Gaith, der selbst aus Syrien stammt, als Dolmetscher zur Verfügung. Eine weitere Teilnehmerin hat sich als pensionierte Kinderärztin bereit erklärt, für medizinische Fragen zur Verfügung zu stehen.

Wünschenswert ist es, dass die Geflüchteten nach einer Weile auch in unsere regulären Gruppen übergehen, was bei den Kindern schon gut klappt. Auf diese Weise haben sie nicht nur sichtlich Spaß am Tischtennis Spielen, sondern lernen auch spielerisch schnell die deutsche Sprache. Einige der geflüchteten Kinder haben schon in unsere direkt davor stattfindende Bambini-Gruppe hineingeschnuppert. Ein Junge aus Syrien trainiert außerdem mit den Mannschaftsspielern, er hat schon in Syrien Tischtennis spielen gelernt. Damals, als das noch möglich war.

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